Liebe Leserinnen und Leser,

gehen Ihnen die Griechen mittlerweile auch so auf die Nerven? Ich muss zugeben, meine Geduld neigt sich langsam dem Ende zu. Die ständigen Beleidigungen, Nazi-Vergleiche und anderen Unverschämtheiten sind inzwischen kaum mehr zu ertragen – und bei allem Verständnis – auch nicht mehr mit dem sicher verletzten Nationalstolz zu relativieren – geschweige denn zu entschuldigen.

Nein, das geht entschieden zu weit: Es ist nicht länger hinnehmbar, dass ranghohe Vertreter der griechischen Regierungspartei Syriza Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Adolf Hitler vergleichen oder die Syriza-Parteizeitung Finanzminister Wolfgang Schäuble als Nazi karikiert, der „aus dem Fett der Griechen, Seife machen will“. Tut mir leid, aber mit Leuten, die so eine Atmosphäre schaffen, sollte man eigentlich überhaupt nicht verhandeln – nicht einmal über die Modalitäten eines möglicherweise bevorstehenden Staatsbankrotts oder Austritts aus dem Euro.

Flankiert werden die Beleidigungen von dem skandalösen Auftreten der neuen griechischen Regierung.

Finanzminister Yanis Varoufakis versucht Uneinsichtigkeit und Realitätsferne mit akademischer Überheblichkeit zu kaschieren. Das mag Studierende an den Elite-Universitäten dieser Welt beeindrucken – die Regierungen der anderen Euro-Länder beeindruckt das ganz sicher nicht – und helfen wird das dem griechischen Volk schon gar nicht.

Im Gegenteil: Die fortwährenden Unverschämtheiten gegenüber Gläubigern und der verantwortungslose Umgang mit Schulden, den die Tsirpas-Regierung an den Tag legt, lassen ahnen wie es in Griechenland zu der wirtschaftlichen Katastrophe kommen konnte und gibt ehrlich gesagt auch nur wenig Anlass zur Hoffnung, dass es mit der Gewährung weiterer Hilfen irgendwann einmal wieder bergauf gehen könnte im Land der Helenen.

Dass die griechische Wirtschaft gemessen nicht so produktiv und leistungsfähig ist wie die anderer europäischer Länder ist eine Tatsache – aber sicher kein Grund dafür, dass wir Steuerzahler in Deutschland und den anderen Euro-Ländern den aufgeblähten und von Korruption gebeutelten griechischen Beamtenapparat finanzieren. Griechenland wurde nicht von Kriegen oder Naturkatastrophen heimgesucht – das Land wurde jahrzehntelang regelrecht ausgeplündert von seinen eigenen korrupten Eliten. Niemand – außer den Griechen selbst – ist schuld daran. Keiner hat die Griechen dazu gezwungen, das von den Banken leichtfertig verliehene Geld zu nehmen und über ihre Verhältnisse zu leben. Die Griechen sind keine Opfer – sie sind Täter.

Die EU hat den Griechen auch keine Wahlversprechen gemacht, die sie jetzt einlösen müsste – sie hat den Griechen nicht vorgegaukelt, dass eine Regierung aus Linksradikalen und Rechtspopulisten das Land von seinen Verpflichtungen und seiner Schuldenlast befreien könnte.

Dabei hätten es die Erfinder der Demokratie doch eigentlich besser wissen müssen: Regierungen und Volksvertreter kann man abwählen –Schulden nicht! Griechenlands neue Regierung ist gerade dabei das letzte Quäntchen Vertrauen seiner europäischen Gläubiger zu verspielen – möglicherweise mit Kalkül. Nur, für das Vertrauen in den Euro ist ein Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone längst nicht mehr wichtig, sondern dass die Regeln gelten, die für ihn vereinbart wurden. Kurzum: Wenn die Griechen aus dem Euro wollen, sollten wir sie nicht länger aufhalten. Für uns und die anderen Euroländer wäre das zwar sehr schade und teuer – aber letztlich verkraftbar – für Griechenland wäre es eine Katastrophe – eine selbst gewählte, freilich!

 

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