In Zeiten steigenden Kostendrucks und knapperer Budgets rücken viele Unternehmen zunehmend die Energiekosten in den Fokus. Das Einsparpotential durch effizienten Energieeinsatz ist in manchen Fällen enorm. Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals für Investitionen in die Energieeffizienz liegt häufig bei 15 oder 20 Prozent – trotzdem müssen viele Unternehmer erst immer noch überzeugt werden. Sie setzen ihre Kreditlinien nach wie vor lieber in Investitionen in den Maschinenpark als für Energietechnik ein.

Der Deutsche Kommunalinformationsdienst sprach mit Klaus Lennartz über das Thema Energieeffizienz in Unternehmen.

Herr Lennartz, als langjähriger Energie- und Finanzpolitiker und Unternehmensberater kommen Sie viel in den Betrieben unserer Region herum und sind häufig mit Unternehmern und Managern im Gespräch. Welchen Stellenwert hat der effiziente Energieeinsatz bei unseren Mittelständlern?

Lennartz: Meiner Erfahrung nach spielt das Thema Energieeffizienz bei den meisten Mittelständlern bislang noch keine große Rolle. Das liegt in erster Linie daran, dass der Anteil der Energiekosten am Umsatz in der Regel, d. h. bei nichtenergieintensiven Unternehmen, vergleichsweise gering ist. Bei einem klassischen Maschinenbaubetrieb liegt er zwischen zwei und fünf Prozent.

Wo lassen sich denn überhaupt die meisten Energiekosten einsparen?

Lennartz: Die Einsparmöglichkeiten sind vielfältig und unterscheiden sich natürlich nach Branchen und Produktionsabläufen. Aber es gibt so etwas wie die üblichen Verdächtigen, die häufig Ansatzpunkte sind. Lüftungsanlagen, wenn sie mit Druckluft arbeiten sind z. B. ein Feld, das viel Potential bietet. Gleiches gilt für die Beleuchtung. Anders als bei Wohnhäusern spielt die Gebäudehülle im gewerblichen Bereich dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Brüssel hilft den Unternehmen in Sachen Energieeffizienz jetzt auf die Sprünge – Stichwort Auditierungspflichten…

Lennartz: In der Tat. Mit der Neufassung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) wird für alle Unternehmen, die nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen nach Definition der EU zählen, wird die regelmäßige Durchführung sogenannter Energieaudits verpflichtend. Bereits bis zum 5. Dezember 2015 muss das erste Audit durchgeführt werden. Danach muss es mindestens alle vier Jahre wiederholt werden. Wenn man bedank, dass wohl mehr als 50.000 Unternehmen in Deutschland betroffen sind, ist das schon eine große Herausforderung und Stresstest für die Wirtschaft.

Wer ist von der neuen Regelung betroffen?

Lennartz: Die Anwendung des KMU-Begriffs gestaltet sich schwierig, da die Novelle des EDL-G auf die europäische Energieeffizienzrichtlinie zurückgeht, findet hier auch die europäische Definition für KMU Anwendung. Demnach gelten Unternehmen dann als KMU, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen: Ihre Mitarbeiterzahl beträgt weniger als 250 Personen. Ihr Jahresumsatz liegt unter 50 Mio. Euro oder ihre Jahresbilanzsumme liegt unter 43 Mio. Euro. Im Fall von Partnerunternehmen beträgt ihre finanzielle Beteiligung maximal 25 Prozent bzw. im Fall von verbundenen Unternehmen maximal 50 Prozent. Alle Unternehmen, die eine dieser drei oben genannten Bedingungen nicht einhalten, sind keine KMU und somit von der neuen Regelung im EDL-G betroffen.

Dann spielt eine Branchenzugehörigkeit, etwa zum verarbeitenden Gewerbe, keine Rolle?

Lennartz: Die Verpflichtung ist nicht an eine Branchenzugehörigkeit oder Rechtsform gekoppelt, sondern erwächst ausschließlich aus der Überschreitung der genannten Schwellenwerte. Damit sind sowohl Unternehmen des produzierenden Gewerbes betroffen als auch z. B. Versicherungen, Banken oder Hotelketten. Aber auch Stadtwerke oder Krankenhäuser können in den Anwendungsbereich fallen.

Wie können Unternehmen der neuen Verpflichtung nachkommen?

Lennartz: Durch die Energieaudits soll den Unternehmen ein Instrument an die Hand gegeben werden, ihren Energieverbrauch zu analysieren und bewusste Entscheidungen über die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen zu treffen. Das Energieaudit muss dabei bestimmten Anforderungen genügen, die eine Bestandaufnahme aller eingesetzten Energieträger und Energieverbraucher inklusive Vor-Ort-Begehungen an allen Standorten enthält. Es kann sowohl von externen Beratern oder Dienstleistern als auch von unternehmenseigenem Personal durchgeführt werden. Auf Basis einer Darstellung der Energieflüsse sollen dann wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen abgeleitet werden. Allerdings ergibt sich aus dem Energieaudit und dem EDL-G keine Verpflichtung zur Umsetzung einzelner Maßnahmen. Die Entscheidung hierüber obliegt dem jeweiligen Unternehmen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und beispielweise bestehender Investitionszyklen. Unternehmen können zudem alternativ ein Energiemanagementsystem oder ein Umweltmanagementsystem einführen. In diesen Fällen bleibt den Unternehmen bis zur vollständigen Umsetzung der Systeme Zeit bis zum 01.01.2017.

Was sind die nächsten Schritte aus Sicht der Unternehmen?

Lennartz: Die Zeit drängt. Jedes Unternehmen sollte zunächst klären, ob es in den Anwendungsbereich der neuen Regelung fällt. Besonders die Frage der Verflechtung mit anderen Unternehmen ist hierbei zu prüfen. Im nächsten Schritt ist dann zu klären, wie das Unternehmen der Verpflichtung sinnvollerweise nachkommen sollte. Die Durchführung des Energieaudits kann ein Schritt sein, um Rechtskonformität sicherzustellen. Größere Unternehmen oder Unternehmensverbünde, zumal wenn sie Standorte im Ausland unterhalten oder bereits über Managementsysteme und Erfahrungen mit deren Systematik verfügen, sollten die Einführung eines Energie- oder EMAS-Umweltmanagementsystems prüfen. Aufgrund der hohen Zahl betroffener Unternehmen ist auch mit einer hohen Auslastung bei den qualifizierten Beratern zu rechnen. Nicht nur aus diesem Grund kann die Teilnahme an Energieeffizienz-Netzwerken eine gute Alternative für Unternehmen sein, der Verpflichtung nachzukommen und gleichzeitig einen Mehrwert für die eigene Arbeit zu generieren.

Energienetzwerke werden ja auch von der Bundesregierung gefördert – was hat es damit auf sich?

Lennartz: Die Bundesregierung fördert so genannte lernende Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN). Die bestehen aus einer Gruppe von zehn bis fünfzehn Unternehmen, die zusammenarbeiten, um kosteneffektiv Energie zu sparen. Im Zentrum der Idee steht dabei, dass diese Unternehmen gegenseitig voneinander lernen sollen. Wesentliche Ansatzpunkte der gemeinsamen Arbeit im Netzwerk sind Effizienzverbesserungen in den Querschnittstechnologien wie zum Beispiel Druckluft, Wärme- und Kälteerzeugung und -verteilung, elektrische Antriebe, Beleuchtung oder Abwärmenutzung. Erfahrungen aus anderen Projekten haben nach Einschätzung der Bundesregierung gezeigt, dass die an LEEN teilnehmenden Unternehmen ihre Emissionen nach vier Jahren um durchschnittlich 1.000 Tonnen CO2 pro Betrieb vermindern, ihre Energiekosten im Schnitt nach vier Jahren um zehn Prozent reduzieren und ihre Energieeffizienz doppelt so schnell steigern können wie der Durchschnitt der Industrie. Damit steige auch insgesamt Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen.

 

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