In einem Schreiben an Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen hat der Hürther SPD Politiker Klaus Lennartz seine Empörung  darüber zum Ausdruck gebracht, dass in einem Studentenwohnheim der Bundeswehruniversität in Hamburg auf Geheiß eines Vorgesetzten ein Portrait unseres Alt-Bundeskanzlers Helmut Schmidt entfernt werden musste. Das Foto zeigt Helmut Schmidt in der Uniform der Wehrmacht.

Lennartz: „Nicht nur weil Helmut Schmidt Namensgeber der Hamburger Bundeswehruniversität ist, sehe  ich darin  für einen ungeheuerlichen Vorgang.  Damit wird nicht nur unseren Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sondern auch zig tausende unserer Väter und Großväter, die als Wehrpflichtige in den unsäglichen Krieg ziehen mussten, mit den Gräueltaten des Naziregimes gleichgesetzt. Das ist eine Unverschämtheit.

Mein eigener Vater ist im Alter von 24 Jahren in Brest gefallen – er war bei Gott kein Nazi – und ich lasse sein Andenken nicht verunglimpfen. Das gilt auch für hundertausende Frauen und Männer meiner Generation, deren Väter nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrten.     

So sehr ich es begrüße, dass Frau Bundesministerin von der Leyen rechtsradikale Tendenzen in der Bundeswehr nicht länger tolerieren will, halte ich die hier an den Tag gelegte Vorgehensweise für maßlos überzogen und fatal für das Selbstverständnis der Bundeswehr und unserer Soldaten.“

Die Grundlagen und Ausrichtung unserer Bundeswehr wurden in den 1950er Jahren von Offizieren der Wehrmacht erarbeitet – drei Viertel der ersten Offiziere der Bundeswehr dienten in der Wehrmacht – Nationalsozialisten waren die meisten von ihnen trotzdem nicht. Die Aussage der Minister, wonach die Wehrmacht  in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sei und nichts mit der Bundeswehr gemein hätte, ist sachlich falsch und grenzt an Geschichtsklitterung, so Lennartz.

Lennartz: „Eine derart undifferenzierte und im Kern überaus populistische Betrachtungsweise unserer Bundeswehr und ihrer Wurzeln, ist nach meinem Dafürhalten einer Bundesministerin – zumal einer Verteidigungsministerin –  schlicht nicht würdig.  Es kann nicht sein, dass durch Pauschalverurteilungen seitens der verantwortlichen Ministerin,  die ihr unterstellten Soldatinnen und Soldaten in ein Licht gerückt werden, in das sie nicht gehören.

Den hunderttausenden Frauen und Männern, die allesamt Ihren Dienst freiwillig tun und auch an verschiedenen Standorten hier bei uns im Rhein-Erft-Kreis  ihren verfassungsgemäßen Auftrag erfüllen, die – und darum geht es in einer Armee – bereit sind Ihr eigenes Leben zu opfern und diejenigen zu töten, die unsere Regierung als Feinde bezeichnet – gebührt Respekt und Anerkennung – insbesondere seitens derer in dessen Auftrag sie handeln.“

Man kann fraglos über die Notwendigkeit oder Entbehrlichkeit einer Armee unterschiedlicher Auffassung sein und darüber streiten – auch das gehört zu einer Demokratie.

Hat man sich, wie die Bundesrepublik vor mehr als 60 Jahren, für die Aufstellung einer Armee entschieden, dann muss man ihren militärischen Besonderheiten und für Außenstehende zuweilen sicher archaisch anmutenden Traditionen aber auch Rechnung tragen. Sie zurechtzustutzen, flügellahm und familientauglich zu machen, ist kontraproduktiv und stellt die Existenzberechtigung der Bundeswehr insgesamt in Frage, so Lennartz weiter.

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