Klaus Lennartz Vizepräsident des Deutschen Wirtschaftsverbandes und Mitglied des Seeheimer-Kreises der SPD unterstützt den geschäftsführenden Bundesaußenminister und ehemaligen SPD Parteichef Sigmar Gabriel, der in einem Gastbeitrag für die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ eine offene Debatte über eine Leitkultur angestoßen und damit eine heftige Diskussion bei den Sozialdemokraten ausgelöst hat.

Lennartz: „Auch wenn sie bei einigen Genossinnen und Genossen verpönt sind, Begrifflichkeiten wie Leitkultur und Heimat sind keine „verbotenen Wörter“, sondern werden angesichts der sich rasant wandelenden Welt für viele Menschen immer bedeutender. Sie geben uns Halt und Orientierung, stehen für unsere Werte, Traditionen und unsere Kultur. Ich habe noch nie verstanden, warum viele Sozialdemokraten sich so schwer tun mit dem Heimatbegriff. Für die meisten Menschen sind Verbundenheit und Liebe zu ihrer Heimat nichts Verwerfliches, sondern selbstverständlicher Teil ihres Lebensgefühls.  Wir dürfen diese Begriffe nicht den Konservativen und ewig gestrigen überlassen, nur weil Nationalisten sie für ihre Zwecke missbrauchten und immer noch missbrauchen.

Ebenso wenig kann ich schlechtes an einer Leitkultur finden, die uns und denen die zu uns kommen als Richtschnur und einer Art gesellschaftlicher Knigge dient. Bei der Leitkultur geht es um Grundwerte, wie Religionsfreiheit, wie Toleranz, Gleichberechtigung  oder die Ächtung öffentlichen Hasses. Und es geht um Tugenden, wie Fleiß, Disziplin und Einsatzbereitschaft.

Die schändlichen Szenen, die sich zuletzt in der Hauptstadt am Brandenburger Tor ereigneten oder die sich in wenigen Tagen zum zweiten Mal jährenden Übergriffe in der Kölner Silvesternacht, zeigen wie wichtig eine verbindliche Leitkultur für unser Land und damit für alle, die hier leben oder hier leben wollen ist. Sie bildet den Rahmen in dem wir unsere Freiheit ausleben können und setzt der individuellen Freiheit gleichermaßen dort die Grenzen, wo sie die Freiheit der anderen beeinträchtigt.

Gleiches gilt auch für Gabriels Denkanstöße in Sachen Industriepolitik und Umweltschutz und Innere Sicherheit und Datenschutz. Hier im rheinischen Revier hängen zigtausende Arbeitsplätze an der Braunkohle – unsere Bergleute haben wegen des bevorstehenden Kohleausstiegs Angst um ihre Arbeitsplätze. Das sind Existenzängste – deshalb sind sie sicher keine Gegner des Umwelt- und Klimaschutzes. Ich stimme Sigmar Gabriel auch hier zu: Ökologie und Industriepolitik sind zwei Seiten derselben Medaille und müssen zusammen betrachtet werden. Das gilt analog sowohl für Innere Sicherheit und den Datenschutz als auch für die fortschreitende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt.

Ich persönlich bin Sigmar Gabriel sehr dankbar dafür, dass er diese sehr wichtige Debatte angestoßen hat – sowohl innerhalb der SPD als auch für eine breite öffentliche Diskussion. (Deutscher-Wirtschaftsverband, 19.12.2017)  Ganzer Artikel hier…

 

 

 

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