17Durch den digitalen Wandel wird es nun zunehmend auch der Industrie ermöglicht, Produkte und Dienstleistungen kundenindividuell zu fertigen und somit klassische Marktsegmente des Handwerks zu bedienen. Das Handwerk gerät daher unter steigenden Wettbewerbsdruck. Die Betriebe  in der Region müssen sich deshalb zügig den Herausforderungen der  Digitalisierung stellen und sich für innovative Geschäftsmodelle öffnen. Dafür wirbt der Hürther Politiker Klaus Lennartz und hat jetzt die Einrichtung einer Digital-Plattform speziell für Handwerksbetriebe hier aus dem Rhein-Erft-Kreis angeregt. Eine erste Gesprächsrunde  mit Fachleuten  der Kreishandwerkerschaft, der Wirtschaftsförderung des Kreises und des Koblenzer Kompetenzzentrums Digitales Handwerk konnte auf Lennartz´ Initiative hin bereits durchgeführt werden. Lennartz: „Die Teilnehmer waren sich schnell darüber einig, dass die Schaffung einer solchen Plattform ein erster wichtiger Schritt für den dauerhaften Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer Handwerksbetriebe wäre.  Nach einer Umfrage der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft betrachten 85 Prozent der befragten hiesigen  Unternehmen die Digitalisierung  zwar insgesamt eher als Chance denn als Risiko – jedoch sehen die wenigsten darin Ansätze für neue Geschäftsmodelle oder neue Angebote für ihre Kunden.  Doch genau darin liegt großes Potenzial für die Zukunftsfähigkeit unserer Handwerksbetriebe. Die Digitalisierung führt zu höherer Flexibilität, zu höherer Effizienz, zu sinkenden Produktionskosten und damit letztlich zu niedrigeren Angebotspreisen. Der Job-Futuromat des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert, dass digitale Anwendungen künftig auch im Handwerk menschliche Arbeit ersetzen und Berufsbilder nachhaltig verändern werden. Gleichsam werden aber traditionelle Gewerke durch die Möglichkeiten der Digitalisierung erweitert, wodurch an anderen Stellen neue Arbeitsfelder und Geschäftsmodelle für die Betriebe entstehen und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Auf diese Veränderungen müssen unsere Handwerksbetriebe aber proaktiv reagieren und sich rasch entsprechend aufstellen, wollen sie die Chancen, die ihnen der Digitalisierungsprozess bietet, auch ergreifen.“ Vielversprechende Ansätze dafür sehen die Experten vor allem im Bereich der Sensorik.  Bereits heute werden verschiedene Produkte, die die Hersteller über den Handel an den Endverbraucher ausliefern, mit Sensoren ausgestattet. Diese Sensoren überwachen Bauteile und geben digitale Rückmeldungen über einen möglicherweise vorliegenden Defekt oder Wartungsbedarf an den Hersteller. Reparaturen und Wartungsarbeiten werden automatisch beauftragt und gehen zu großen Teilen am örtlichen Handwerk vorbei.  Lennartz: „Darauf wollen wir im Rhein-Erft-Kreis mit der Entwicklung eines eigenständigen Digital-Portals für das hiesige Handwerk reagieren. Dieses Portal soll als Kommunikationsplattform zwischen den Kunden und dem Handwerk etabliert werden und unseren Betrieben die Möglichkeit geben, an solchen Wartungs- und Instandhaltungsaufträgen zu partizipieren.  Insbesondere im Bereich der Gebäudetechnik gibt es bereits eine Vielzahl solcher auf Sensoren basierenden Anwendungen, die z. B.  frühzeitig Wasserschäden  melden  oder auf anstehende Wartungsintervalle bei der Klimatechnik hinweisen.“  Diese Plattform soll als Pilotprojekt von vornherein so konzipiert werden, dass sie später ohne weiteres auf andere Regionen übertragen werden kann, betont Lennartz. Nach seinem Dafürhalten passt das geplante Projekt hervorragend auf die Förderkulisse, der jüngst in Berlin eingerichteten Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung, die den vom geplanten Ausstieg aus der Braunkohleförderung- und Verstromung betroffenen Regionen Mittel für die Bewältigung des damit einhergehenden Strukturwandels zur Verfügung stellt. Lennartz: „Die Kommission wird die zu diesem Zweck vorgesehenen Fördergelder schnell verteilen, sodass bei der Beantragung durchaus Eile geboten ist. Deshalb soll das Projekt mit dem Arbeitstitel „Digitalportal-Handwerk Rhein-Erft“ schnell vorangetrieben werden.“ Bereits Ende August sollen die Pläne im Rahmen eines Werkstattgesprächs konkretisiert und die für eine Beantragung  von Fördergeldern notwendigen Eckdaten ermittelt werden. Dabei geht es insbesondere um die Höhe der für die Umsetzung benötigten finanziellen Mittel und organisatorische Fragen, etwa wer das Portal letztlich betreiben wird und welche Partner dafür von Nöten sind.  (Klaus Lennartz, 17.08.2018)

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