Es war ein ganz besonderer Montagabend für Elke und Klaus Lennartz im heimischen Stotzheim: An ihrem 42. Hochzeitstag waren auf Einladung des Paares zum Salongespräch nicht nur knapp 80 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur gekommen, sondern auch NRW-Wirtschaftsminister Professor Dr. Andreas Pinkwart. Und zu Beginn seines Statements über Wirtschaftspolitik, Digitalisierung und Energiepolitik meinte er in launig vorgetragenen Worten: „ Schön, dass wir Sie hier mit so vielen Leuten feiern dürfen.“

Allerdings war Pinkwart nicht nur als Gratulant gekommen. Vielmehr hatte er die Einladung angenommen, um unter der Regie des SPD-Kreistagsabgeordneten und Ehrenvorsitzenden der SPD Rhein-Erft-Kreis, Klaus Lennartz (74), Kontakte zu Firmenchefs und Projektentwicklern zu knüpfen. Das Anliegen, „Leute zusammenzuführen, die sich noch nicht kennen“, setzt Lennartz seit Mitte der 80er Jahre auch mit den etwa einmal jährlich stattfindenden Gesprächsrunden um.

Lennartz, der auch Vizepräsident des Deutschen Wirtschaftsverbandes ist und nach eigener Aussage „individuell Unternehmen berät“, schrieb denn auch den Anwesenden mit erhobener Stimme ins Stammbuch: „Es reicht nicht, nur dicke Papiere und Konzepte zu schreiben. Man muss Dinge auch umsetzen.“

Das war ganz nach dem Geschmack von Pinkwart, jedenfalls nahm er im Beisein von Kerpens CDU-Bürgermeister Dieter Spürck, dem CDU-Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Frank Rock und dem FDP-Landtagsabgeordneten und Kreisparteichef Ralph Bombis den Faden auf und forderte dazu auf, seinem Ministerium Ideen und Projekte für eine florierende Wirtschaft zu liefern.

Lennartz hatte den Energieminister auch gebeten, die Vorgänge um den Hambacher Forst und die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster für einen vorläufigen Rodungsstopp zu kommentieren. Der FDP-Politiker ließ durchblicken, „eine Laufzeitverlängerung jüngerer Atomkraftwerke wäre vor Jahren eine eigentlich sinnvolle Lösung“ für mehr Versorgungssicherheit gewesen. Da der Ausstieg aber nun mal beschlossen sei, müsse man jetzt die Aufgabe bewältigen, „die Erneuerbaren fit zu machen, um die Atomenergie zu substituieren“. Auch deswegen sei die Braunkohleverstromung alternativlos. „Erst wenn die Erneuerbaren einen wesentlich größeren Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten, können wir aus der Kohle aussteigen.“ Das rechtsstaatliche Verfahren mit dem Beschluss zum Rodungsstopp müsse man aber nun akzeptieren. Vor allem fehlende Leitungen für Windstrom von Norden nach Süden sind nach Ansicht Pinkwarts ein Grund dafür, nicht übereilt aus der Kohle aussteigen zu können. „Nur 13 Prozent der geplanten Leitungen sind fertig.“ Dazu kämen schleppende Genehmigungsverfahren für die Stromtrassen. „Das geht bei betroffenen Leuten hier nach dem Motto: Wir sind für alles, was sich gut anhört, aber bitte nicht in meinem Garten.“

In diesem Zusammenhang teilte Pinkwart gegen den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, aus. Er habe in einer Talkshow behauptet, der Braunkohlestrom verstopfe die Leitungen. „Das stimmt einfach nicht, denn die Erneuerbaren haben gesetzlich festgelegt Vorrang.“ In der Abendrunde bekam Pinkwart dafür viel Applaus und hörte keinen Widerspruch. Der Minister appellierte, man müsse bei der Diskussion „mit viel Rationalität wieder in die Spur kommen. Wir können früher aus der Kohle raus, aber nur, wenn Bedingungen erfüllt sind.“ Die Industrie müsse sich im Hinblick auf den Klimawandel entwickeln. Pinkwart zeigte sich überzeugt, dass zuerst eine neue Energieversorgung an den Start müsse, bevor Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden könnten.

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