Aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 23.01.2019

VON GERHARD VOOGT

Köln. Das Dreigänge-Menü wird vom Sterne-Restaurant Schloss Loersfeld geliefert. An der festlich eingedeckten Tafel sitzen 13 hochkarätige Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Sie sind einer privaten Einladung gefolgt, das Treffen findet im Wohnzimmer des Gastgebers statt. Klaus Lennartz, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter der SPD und Landrat des Rhein-Erft-Kreises, hat die illustre Gesellschaft eingeladen, um sich über erfolgversprechende Strategien für die Zukunft des Rheinischen Reviers auszutauschen. Wolfgang Marquardt, Chef des Forschungszentrums Jülich, stellt ein Strategie-Papier vor. Der Professor erläutert, wie die Region zu einem Zentrum der Bioökonomie transformiert werden kann.

Gute Drähte nach Berlin

Zu dem „Gipfel-Treffen“ in Hürth-Stotzheim ist auch der Präsident der Technischen Hochschule Köln, Stefan Herzig, gekommen. Er stellt die Pläne für die künftige wissenschaftliche Arbeit in der Außenstelle Erftstadt vor. Der Unternehmer Thomas Dittler erläutertet, was die Region sich vom US-Vorbild Silicon Valley abgucken kann. Die Vertreter der Industrie- und Handelskammern Köln und Aachen und der Sparkassen, denen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Ideen zukommen soll, sind von dem Abend angetan. „Ich habe das Treffen initiiert, weil wir den bevorstehenden Strukturwandel aktiv angehen müssen“, sagt Lennartz.

Der SPD-Politiker wird im März 75 Jahre alt. Seine Karriere im Bund hat er schon 2002 an den Nagel gehängt. Der hochgewachsene Polit-Senior mit dem rheinischen Dialekt in der Stimme ist aber immer noch parteiübergreifend hervorragend verdrahtet. Auch deswegen, weil er als Lobbyist der Sparkassen-Tochter „Deutsche Leasing“ an viele Türen klopfte. Regelmäßig taucht er in der Bundeshauptstadt auf, wenn der konservative Seeheimer Kreis der SPD zusammenkommt. „Klaus ist und bleibt ein Vollblut-Politiker“, sagt ein Teilnehmer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Den Jüngeren würden seine „guten Ratschläge“ und sein „ausgeprägtes Ego“ zwar bisweilen auch „auf den Wecker gehen“. Jetzt aber könne sein „Maggler-Talent“ zum Trumpf werden.

Abendessen statt E-Mails

In den nächsten Tagen will die Kohlekommission in Berlin ihre Ergebnisse vorstellen. Als Ausgleich für die Beendigung der Kohleförderung will NRW mindestens zehn Milliarden Euro abgreifen. „Angesichts der Goldgräberstimmung, die der bevorstehende Geldregen vom Bund in der Region ausgelöst hat, ist es wichtig, seriöse Projektpartner in der Region zu finden, damit Fördermittel nicht bei Trittbrettfahrern versickern“, erklärt Marc Herter, Vize-Vorsitzender der NRW-SPD, im Gespräch mit unserer Zeitung. Lennartz helfe jetzt dabei mit, dass der Strukturwandel „Hand und Fuß“ habe. Viele Anregungen, die der Politiker aufgreife, seien in der SPD-Landtagsfraktion erarbeitet worden.

Auch Ralph Bombis, der für die FDP als Landtagsabgeordneter aus dem Rhein-Erft-Kreis Politik macht, lobt das SPD-Urgestein: „Persönliche Kontakte bei einem Abendessen helfen manchmal mehr als der Austausch per E-Mails oder Strategiepapiere“, so der Liberale.

Zurück zu altem Glanz

Wie die Strukturmittel letztlich verteilt werden, wird von der Gesellschaft „Innovationsregion Rheinisches Revier“ mitentschieden. Geschäftsführer Ralf Sterck schätzt Lennartz als „aktiven Streiter für die Interessen des Reviers“. Der streitbare Ex-Landrat, der dreimal in der Woche joggt, will seine Heimat wieder zu altem Glanz verhelfen. Seine Ziele sind – wie immer – hoch gesteckt. Als Lennartz Landrat war, ließ er ein Schild an der Autobahn 4 aufstellen: „Erftkreis – die Nummer 1 in Europa“, stand darauf.

SALONABENDE MIT PINKWART UND GABRIEL

Mindestens einmal im Jahr lädt Klaus Lennartz zu einem „Salonabend“ hochrangige Politiker nach Hause ein. Unter den Gästen waren zuletzt auch der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Als nächster Referent ist der Islamwissenschaftler und Terrorexperte Guido Steinberg zum Salonabend eingeladen. Spätestens nach der Europawahl im Mai soll auch der frühere SPD-Chef und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel nach Hürth kommen.

 

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