Aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 23.01.2019

 

VON ANDREAS ENGELS

Rhein-Erft-Kreis/Hürth. Die Zukunft des Braunkohlereviers könnte in der innovativen Nutzung nachwachsender Rohstoffe liegen. Davon ist der frühere Landrat und SPD-Politiker Klaus Lennartz überzeugt. Mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierte Gastgeber Lennartz in seinem Haus in Stotzheim darüber, wie zwischen Köln und Aachen eine Modellregion für nachhaltige Bioökonomie entstehen könnte.

„Ich habe dieses Treffen initiiert, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir den Strukturwandel aktiv angehen müssen“, sagte Lennartz. „Wir haben im Raum Köln-Aachen beste Voraussetzungen, diesen Wandel, flankiert mit Mitteln der EU, des Bundes und des Landes, aus eigener Kraft zu gestalten.“ Ziel müsse sein, wieder stärkste Wirtschaftsregion Europas zu werden mit zukunftsfähigen Jobs und guten Löhnen.

 

Die Voraussetzungen für die Schaffung einer Bioökonomie-Region sind nach Einschätzung von Prof. Wolfgang Marquardt vom Forschungszentrums Jülich günstig. Er hat ein Konzeptpapier zum Strukturwandel vorgelegt, das er auch in Hürth vorstellte. Schon heute würden in der Region Nahrungsmittel und industrielle Rohstoffe gleichzeitig produziert. Im Umfeld habe sich eine Forschungslandschaft für die nachhaltige Bioökonomie entwickelt. Daran könne angeknüpft werden.

 

In einem Pilotprojekt sollen Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft verknüpft werden. Das Konzept sieht zum Beispiel vor, auf Tagebaurestflächen Nutzpflanzen anzubauen, die in Bioraffinerien zu Ausgangsstoffen für hochwertige Produkte wie Nahrungsergänzungs- und Arzneimittel weiterverarbeitet werden. Um Wertstoffe aus Biomasse zu erzeugen, soll regenerative Energie aus der Region eingesetzt werden.

 

Runde setzt auf Start-ups

 

Voraussetzung sei eine Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, war die Runde überzeugt. Die Region zwischen Aachen und Köln verfüge schon über eine der dichtesten Wissenschafts- und Forschungslandschaften in Deutschland, stellte Lennartz fest. Prof. Stefan Herzig, Präsident der Technischen Hochschule Köln, stellte die Pläne für den Campus Rhein-Erft in Erftstadt vor, der 2020/21 starten soll. Die TH Köln sei bereit, eine weitere Außenstelle mit dem Schwerpunkten Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Energie zu prüfen, so Lennartz.

 

Um den Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen zu schaffen, schlägt das Konzeptpapier konkrete Maßnahmen vor wie die Gründung von Kompetenzzentren für Digitalisierung, Biotechnologie und Bioökonomie. Die Teilnehmerrunde bei Lennartz setzt auf innovative Start-ups, will aber auch vorhandene Unternehmen mit Potenzial einbeziehen. Dabei komme den Sparkassen und den Kammern eine besondere Rolle zu, sagte Lennartz.

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